Zeche Haniel

von Fritz Pamp

Die im Stadtgebiet von Bottrop liegende Zeche Franz Haniel gehörte zur Gutehoffnungshütte (GHH) und zählte deshalb allgemein zu den Oberhausener Schachtanlagen. Der Chronist geht noch einen Schritt weiter und betrachtet sie hier wegen der engen Verbindungen zur Zeche Jacobi als Osterfelder Betrieb in Schlaglichtern etwas genauer.
Vorstand und Aufsichtsrat der GHH beschlossen 1920, das dem Unternehmen gehörende Grubenfeld Neu Oberhausen durch die Doppelschachtanlage Franz Haniel zu erschließen. Als Namenspatron wählten sie den 1916 verstorbenen Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Franz Haniel den Jüngeren (1842 - 1916), einen Enkel des Gründungsgewerken der Hüttengewerkschaft Jacobi Haniel und Huyssen (JH&H) Franz Haniel.
Eine von dem Berliner Bildhauer Professor Georg Kolbe geschaffene Bronze-Büste, die als Leihgabe der Familie Haniel auf dem Zechenplatz steht, erinnert an den Namensgeber.
Die Gutehoffnungshütte wollte in ihrem Grubenfeld Neu Oberhausen die Schachtanlage Franz Haniel bauen.
Der Bildhauer Professor Georg Kolbe schuf die Büste Franz Haniel des Jüngeren 1941, als sich dessen Todestag zum 25. Mal jährte.

In Bottrop besaß die Gesellschaft den Gutshof Fernewald, der 125 ha Ackerland, Wiesen und Weiden bewirtschaftete. Als günstigsten Standort der Tagesanlagen des neuen Bergwerks ermittelte der Markscheider einen an der Grenze zu Sterkrade und Osterfeld gelegenen Teil dieses Areals.

Dieser Stadtplanausschnitt aus dem Jahre 1986 zeigt die Lage des Gutshofes, der einer Haldenerweiterung weichen mußte. Auf dem südlichen Teil der Halde haben Berglehrlinge 1994 einen Kreuzweg gebaut. ( Einweihung am Karfreitag 1995 durch Bischof Luthe.)
Das Modell verdeutlicht das Teufen eines Gefrierschachtes mit Tübbingausbau. Einzelne Leitungen verteilen das Kältemittel auf die Innenrohre (rot angelegt), eine Ringleitung führt die in den Außenrohren aufsteigende Sole zur Kältemaschine zurück.

Mehrere Kernbohrungen auf dem Gelände trafen lockere und wasserführende Gebirgsschichten an. Diese Bohrergebnisse führten zu der Entscheidung, die geplanten Schächte bis 180 m Teufe im Gefrierverfahren niederzubringen und mit gußeisernen Tübbingen auszubauen. Noch im Jahre 1920 begannen Baukolonnen, die provisorischen Tagesanlagen zu errichten. Parallel dazu lief das Bohren und Verrohren der 175 m tiefen Gefrierlöcher. Die Kälteerzeugungsanlage nahm am 21. Juni 1921 den Betrieb auf. Im Herbst war der Frostkörper soweit aufgebaut, daß am 31. Oktober 1921 damit begonnen werden konnte, den Schacht Franz Haniel 1 mit einem Durchmesser von 6 m zu teufen.
Die Arbeiten, die die Schachtbaufirma Haniel & Lueg ausführte, gingen zügig und ohne nennenswerte Schwierigkeiten vonstatten. Im Mai 1922 erreichte der Schacht die 180-m-Marke und damit auch das Ende des Tübbing-Ausbaus. Die Kälteanlage stand nun für den Schacht Franz Haniel 2 zur Verfügung.
Die Schachthauer setzten die Teufarbeiten mit guten Leistungen fort. Sie bauten den Schacht bis zu der geplanten Endteufe von 458 m mit Ziegelmauerwerk aus. Die Mannschaft beendete am 7. März 1923 die Teufarbeiten. Als nächstes Projekt nahm sie die Füllörter für die 1. (352 m-) Sohle und die 2. (428 m-) Sohle in Angriff. Auf der 2. Sohle stellten Bergleute der Zeche Jacobi 1924 die erste Verbindung zwischen den beiden Schachtanlagen her.

Die von Schacht 1 umgesetzten Kältemaschinen für den 85 m nordöstlich mit 6,5 m Durchmesser geplanten Schacht Franz Haniel 2 wurden am 16. Dezember 1922 eingeschaltet. Das Einfrieren dauerte wegen der starken Grundwasserströmung bis Ende September 1923. Am 1. Oktober lief der Teufbetrieb an. Auch hier gab es keine Probleme. Die Schachthauer bauten am 15. Mai 1924 bei 182 m den letzten Tübbing ein. Die Kältemaschinen wurden stillgesetzt und der natürliche Auftauprozeß im Gefrierteil begann.
Die Spezialisten trafen im weiteren Verlauf ihrer Arbeiten in 334 m Teufe das Karbon an und erreichten am 21. Juli 1925 die geplante Endteufe von 556 m. Anschließend setzten sie , wie in Schacht 1 , die 1. Sohle und die 2. Sohle aus und verbanden die Füllörter miteinander.

Der Zusammenbruch des Schachtes Franz Haniel 2

Als im Frühjahr 1925 wieder normale Gebirgstemperaturen herrschten, zeigten sich die Tübbing-Säulen in beiden Schächten völlig dicht und unbeschädigt. An diesem Zustand änderte sich bis zum Eintritt der Katastrophe nichts.

Am 25. September 1925 brachen beim Ziehen der Gefrierrohre am Schacht Franz Haniel 2 in einer Teufe von 75 m plötzlich einige Tübbing-Segmente. Durch die immer größer werdende Bruchstelle ergossen sich gewaltige Wasser und Schlammassen in die Grube. Das Wasser stieg im Schacht unaufhörlich an und strömte schließlich durch die oben erwähnte Verbindungsstrecke zur Zeche Jacobi. Hier soffen alle Grubenbaue unterhalb der 2. Sohle ab. Aus Sicherheitsgründen legte die Bergbehörde den gesamten Untertagebetrieb still. Nur mit großer Mühe konnten die Bergleute verhindern, daß das Wasser auch die Zeche Vondern überschwemmte.

Einen Tag später bildete sich plötzlich ein riesiger Krater von 50 m Durchmesser um den Unglücksschacht, und das hölzerne Schachtgerüst versank zusammen mit den umliegenden Gebäuden und Maschinen in der Tiefe. Am Kraterrand brachen immer wieder große Schollen ab und im Erdboden zeigten sich tiefe Risse. Deshalb fürchteten die Fachleute, daß auch der Schacht Franz Haniel 1, der bis dahin noch völlig in Ordnung war, in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Der Leiter des Preußischen Bergreviers Oberhausen, Erster Bergrat Koepe, schrieb in seinem "Endgültigen Bericht über den Schachteinsturz Franz Haniel 2" an das Oberbergamt in Dortmund am 19. Februar 1926 unter anderem:

In dieser äußerst bedenklichen Lage meldete ein oben im Fördergerüst des Schachtes 1 aufgestellter Beobachtungsposten gegen 12 Uhr mittags, daß sich im Einsturztrichter des Schachtes 2 ein Wasserspiegel zeigte, womit als sicher angenommen werden konnte, daß die in den Schacht gestürzten Holz- und Eisenmassen diesen am Füllort der 428 m - Sohle verstopft und dadurch die zufließenden Schwimmsandmassen zum Halten gebracht hatten. Das aufgehende Wasser stieg im Schachttrichter langsam bis zur Höhe des Grundwasserspiegels und entsprechend ließ der Zufluß durch den Verbindungsquerschlag nach der Schachtanlage Jacobi allmählich nach und hörte nach kurzer Zeit fast gänzlich auf.

Durch diesen glücklichen Umstand war der Schacht Franz Haniel 1 außer Gefahr und auch Jacobi schien gerettet zu sein, denn die Grubenwehr konnte auf der 2. Sohle einen druckfesten Damm setzen. Danach durften die Betriebe oberhalb der 2. Sohle belegt werden. Menschen kamen bei der Katastrophe nicht zu Schaden.

Diese Bilderserie, die Bergrat Koepe für seinen Bericht an das Oberbergamt aufnehmen ließ, zeigt das ganze Ausmaß der Katastrophe. Der Einsturztrichter kam gefährlich nahe an den Schacht 1 heran.
Die Abteufmaschine versank in den Fluten.
Dieses Bild zeigt die gleiche Maschine aus einem anderen Blickwinkel.
Hier änderte der Fotograf noch einmal seinen Standort, um die Schäden für die Nachwelt zu dokumentieren.

Abschließend stellte Bergrat Koepe im oben angeführten Bericht fest:

Da sich also alle Mutmaßungen über die Ursachen des Schwimmsandeinbruches als wenig stichhaltig bezw. als irrig erwiesen haben, so komme ich in Übereinstimmung mit den technischen Vertretern der Werksverwaltung und der ausführenden Schachtbaufirma Haniel & Lueg, die an der Untersuchung der Schachtkatastrophe von Anfang an teilgenommen und sich in anerkennenswerter Weise um eine restlose, möglichst einwandfreie Aufklärung des Schachteinbruchs gewissenhaft bemüht haben, zu dem eingangs ausführlich begründeten Ergebnis, daß die Beschädigung des eisernen Schachtausbaus höchst wahrscheinlich durch eine ungleichmäßige Druckbeanspruchung der Tübbingsäule in den Schwimmsandschichten hervorgerufen ist, die ihrerseits vermutlich mit dem Ziehen der Gefrierrohre in einem ursächlichen Zusammenhang steht.

Der Neubeginn mit Unterbrechungen

Die GHH wollte den verunglückten Schacht so schnell wie möglich an gleicher Stelle neu abteufen. Deshalb ließ sie den verfüllten Einsturztrichter mit einer Eisenbetonplatte abdecken. Diese sollte als Fundament für die neue Abteufanlage dienen. Im Jahre 1928 , der Abteufturm war gerade fertiggeworden , ließ die GHH die weiteren Arbeiten wegen der Wirtschaftskrise einstellen.

Im Jahre 1928 stand über dem Schacht 2 ein neues Teufgerüst und die Tagesanlagen waren soweit wieder hergestellt, daß die Schachtarbeiten aufgenommen werden konnten. Wegen der Wirtschaftskrise stoppte die GHH jedoch alle Aktivitäten.
Die alte Werksbahntrasse ist heute ein beliebter Wanderweg zur Halde Franz Haniel und weiter in den Kölnischen Wald.
H. Bungert zeichnete das Fördergerüst über dem Schacht Franz Haniel 2.

1936 erwachte die Anlage zu neuem Leben. Die Vorbereitungsarbeiten erwiesen sich als äußerst schwierig und zeitaufwendig. Parallel dazu erhielt die Baustelle auch noch zur besseren Materialversorgung über die Zeche Jacobi einen Anschluß an das Werksbahnnetz.

Am 15. Februar 1939 begannen die Schachthauer der Firma Haniel & Lueg zum zweiten Male, den Schacht Franz Haniel 2 abzuteufen. Dabei kamen alle Maschinen und Ausrüstungen wieder zum Vorschein, die 1925 in den Fluten versunken waren.

Gleichzeitig liefen auch die Arbeiten im Schacht Franz Haniel 1 wieder an. Er bekam zuerst aus Sicherheitsgründen eine zweite Tübbingsäule; dadurch verringerte sich der Schachtdurchmesser in diesem Bereich auf 5,25 m. Anschließend wurde der Schacht dann tiefergeteuft.

Während des Zweiten Weltkrieges (1939 - 1945) machten die Arbeiten nur geringe Fortschritte, weil Fachleute und Material fehlten. Als die Aktivitäten 1944 ganz zum Erliegen kamen, hatten beide Schächte die vorgesehene Endteufe von 600 m erreicht und die Anschlüsse für die 3. (557 m-) Sohle waren fertiggestellt.

Nach Kriegsende änderte sich der Facharbeiter- und Materialmangel nicht. Der Aufschwung kam zwar mit der Währungsreform 1948, aber da mußte die GHH vordringlich in die anderen Betriebe investieren. Mittel zur Fertigstellung der Zeche Franz Haniel standen erst 1951 zur Verfügung.

Im Frühjahr liefen die Arbeiten im Tagesbetrieb, in den Schächten und unter Tage mit "Hochdruck" an, denn die neue Anlage sollte wegen der guten Absatzchancen für die Kohle so schnell wie möglich die Förderung aufnehmen. Dieses Mal ging alles nach Plan. Und am 2. Mai 1952 war es dann endlich so weit: Im Schacht Franz Haniel 2 kamen die ersten Kohlen aus einem schachtnahen Abbaubetrieb zutage. Die Rohförderung wurde mit der Werksbahn zur Zeche Jacobi transportiert und dort aufbereitet. Eine eigene Wäsche bekam die Schachtanlage auch in Zukunft nicht.

Am Jahresende beschäftigte die Zeche Franz Haniel 840 Mann und wies eine Förderung von 67 000 t aus. In den folgenden Jahren stiegen die Belegschaftszahlen und die Förderung stetig an. 1955 verdienten bereits 2 200 Menschen auf Franz Haniel ihr Brot; die Förderung lag bei 705 000 t/a. Vier Jahre später (1959) erreichte die Schachtanlage mit 3 212 Mitarbeitern ihre Maximalförderung von 1,42 Mill. t/a. Die Gewinnungsbetriebe liefen in den Flözen der Flammkohlen-, Gasflammkohlen- und der Gaskohlengruppe. Schrämmaschinen und Kohlenhobel erleichterten den Bergleuten die Arbeit.

Auf der 3. (557 m-) Sohle wurde die zweite Verbindung zur Zeche Jacobi fertiggestellt.

Eine elektrisch angetriebene Kettenschrämmaschine mit aufgesetztem Pilz in einem Gewinnungsbetrieb Mitte der 1950er Jahre. Der Stahlausbau (Reibungsstempel und Kappen) war ein Erzeugnis der GHH Sterkrade.
Ein Hobel, der an einer endlosen Kette am Kohlenstoß entlanggezogen wird, im Stall am Hilfsantrieb (im Hintergrund) Mitte der 1950er Jahre. Als Führung dient ein Zweiketten-Stegförderer, auf diesem Bild ein Panzerförderer der Firma Westfalia Lünen.
Die Zeche Franz Haniel betrieb in der Hauptförderung auf der 2. Sohle bereits 1960 eine Großbandanlage (hier im Bild), deren Übergaben durch schlagwettergeschützte Fersehkameras überwacht wurden.

Das Kraftwerk Franz Haniel

Im Jahre 1953 betrieb die Bergbau AG Neue Hoffnung, eine Nachfolgegesellschaft der GHH, die Kraftwerke Sterkrade und Osterfeld, die in den Kesselhäusern überwiegend schwer absetzbare Ballastkohle und Mittelgut verfeuerten. Deshalb produzierten sie den Dampf und damit auch Druckluft und vor allem elektrische Energie sehr kostengünstig. Wegen der stetig steigenden Förderung auf den Zechen Osterfeld, Jacobi und Franz Haniel zeichnete es sich jedoch ab, daß beide Versorgungsbetriebe in absehbarer Zeit die benötigte Energie nicht mehr mit der erforderlichen Sicherheit liefern konnten. Deshalb beschlossen Vorstand und Aufsichtsrat, auf der Schachtanlage Franz Haniel ein weiteres Kraftwerk zu bauen und einen Teil der dort geförderten Flammkohle, die sich gut als Kesselkohle eignete, unaufbereitet zu verstromen. Der größte Teil der Förderung sollte wie bisher über die Schiene zur Wäsche Jacobi transportiert werden. Die Planung sah eine installierte elektrische Leistung von 47 Megawatt und einen Turboverdichter für die Erzeugung von 80 000 Nm³/h Druckluft vor.

Noch im selben Jahr, also 1953, erfolgte der erste Spatenstich. Die Bauarbeiten verliefen zügig und ohne Komplikationen.

Zum Jahresende 1954 stand das Projekt kurz vor der Fertigstellung. Überall beschäftigten sich die Monteure mit den Restarbeiten, und die Prüfingenieure der Lieferfirmen und des TÜV suchten nach Schwachstellen und Sicherheitsrisiken, damit diese noch vor der Inbetriebnahme beseitigt werden konnten.

Der Chronist, der als Elektrolehrling ein klein wenig zum Gelingen beigetragen hatte, war Zeuge, als Bergassessor Klaus Haniel am 20. Januar 1955 auf das berühmte Knöpfchen drückte, und das Kraftwerk Franz Haniel zum ersten Male Dampf, Druckluft und elektrischem Strom in die entsprechenden Netze speiste.

So zeigte sich die Zeche Franz Haniel 1956: links der Schacht Franz Haniel 2, in der Mitte das Kraftwerk und rechts der Kühlturm. Auf dem Dach des Kesselhauses sind die drei Elektrofilter mit den kurzen Schornsteinen zu erkennen.
Der Lageplan aus dem Jahre 1961 zeigt eine großzügig gestaltete Schachtanlage mit der zugehörigen Bereitschaftssiedlung im Wald.

Jeder der drei von einer zentralen Warte gesteuerten Schmelzkammerkessel erzeugte in der Stunde 125 Tonnen Dampf mit 80 bar und 510° C. Dafür brauchte er rund 10 Tonnen Kohle und 135 Tonnen Wasser. Etwa ein Drittel des eingesetzten Speisewassers war in Ionen-Austauschern vollentsalztes Brunnenwasser, das mit dem Kon-densat gemischt über die Niederdruckvorwärmer den Speisewasser Entgasungsbehältern zugeführt wurde. Die Speisepumpen drückten das Wasser von hier aus durch die Hochdruckvorwärmer in die Kessel. Drei Elektrofilter auf dem Dach des Kesselhauses reinigten die Rauchgase und gaben sie über kurze Schornsteine an die Atmosphäre ab. Erst mehr als 15 Jahre später, 1972, wurde aus Umweltschutzgründen ein 160 m hoher Kamin gebaut.

In der Wasseraufbereitung wurde das Brunnenwasser in Ionen-Austauschern vollentsalzt.
Als diese Aufnahme 1973 entstand, hatte das Kraftwerk gerade als neues Wahrzeichen den 160 m hohen Kamin erhalten.
In den Zechenkraftwerken der GHH kamen bei der Stromerzeugung Gegenlaufturbinen System Ljungström zum Einsatz, die das Tochterunternehmen MAN in Lizenz baute. Bei diesen Turbosätzen trieb die in der Mitte angeordnete Turbine zwei Generatoren an.

Der in der 21 MW Vorschaltmaschine oder bei Bedarf auch in einer Reduzierstation auf 17,5 bar entspannte Dampf speiste danach eine 26 MW-Kondensationsmaschine, einen Turbokompressor für 80 000 Nm³/h Niederdruckluft, der ebenfalls auf Kondensation arbeitete, sowie die Fördermaschinen und die sonstigen Dampfverbraucher auf der Zeche Franz Haniel.

Außerdem versorgte die neue Anlage das Bergwerk Jacobi über eine 4 km lange Rohrleitung mit Dampf. Die alten Kesselhäuser auf beiden Zechen hatten ausgedient und sollten später abgerissen werden.

Wegen eines Kabelbrandes unterhalb der Schaltwarte mußte das Kraftwerk am 31. Januar wieder außer Betrieb genommen werden. Zum Glück standen die alten Kesselhäuser noch

Die Feuerwehr bekam den Brand schnell unter Kontrolle, trotzdem richtete er einen solchen Schaden an, daß es Wochen oder sogar Monate dauern konnte, alle Kabel auszuwechseln. Solange sollte zumindest die Kesselanlage aber unter keinen Umständen stillstehen. In dieser Situation wurde Improvisation groß geschrieben, und weil alle , auch der Lehrling , an vielen Tagen "doppelt" machten, standen die Kessel mit örtlichen Steuerständen am 28. Februar wieder unter Dampf.

In den folgenden Monaten verschwanden nach und nach alle Provisorien und Anfang November wurde das Kraftwerk zum zweiten Male angefahren.

Größere Zwischenfälle gab es in Zukunft nicht mehr.

Nach der Stillegung des Kraftwerkes Osterfeld am 24. Februar 1977 versorgte das Kraftwerk Franz Haniel auch die Zeche und Kokerei Osterfeld mit Dampf. Die Rohrleitung erreichte jetzt eine Gesamtlänge von 7,4 km.

Ab 1. Juli 1978, als auch das Kraftwerk Sterkrade den Betrieb eingestellt hatte, übernahm das Kraftwerk Franz Haniel die Druckluftversorgung der Bergwerke Osterfeld und Prosper-Haniel. Aus diesem Grunde wurde die Drucklufterzeugungsanlage um zwei Verdichter mit je 80 000 m³/h erweitert. Die neuen Maschinen erhielten Elektroantriebe. Seit diesem Jahr (1978) verfeuerten zwei der drei Dampferzeuger neben Kohle auch Grubengas.

Das Kraftwerk Franz Haniel erzeugte in den 34 Jahren bis zur Stillegung am 29. November 1988 aus 7,15 Mill. Tonnen Kohle und 238 Millionen Kubikmetern Gas 9,2 Milliarden Kilowattstunden elektrischen Strom und eine nicht bekannte Menge Druckluft und Prozeßdampf.

Der Kamin wurde am 2. Dezember 1990 um 15.00 Uhr gesprengt. 160 wohldosierte Sprengladungen sorgten dafür, daß der Koloß in sich zusammenfiel, ohne die angrenzenden Gebäude zu gefährden.

Die Bilderserie dokumentiert die einzelnen Phasen bei der Sprengung des 160 m hohen Kamins.
Noch steht der Gigant senkrecht.
Nach dem Zünden der ersten Serie im Sockel neigt er sich in die vorausberechnete Richtung.
Die zweite Ladung teilt den Koloß in der Mitte. Die Spitze steht immer noch senkrecht.
Selbst als die untere Hälfte fast schon auf den Boden schlug, blieb die Spitze in der Senkrechten.
Eine Minute nach der ersten Zündung war das weithin sichtbare Wahrzeichen der Zeche dem Erdboden gleichgemacht.

Nach diesem im Zusammenhang dargestellten Lebenslauf des Kraftwerks möchte der Chronist den geneigten Leser zu den Ereignissen auf der Schachtanlage zurückführen.

Zunächst kam es auch hier zu einem Besitzerwechsel, denn die Zeche Franz Haniel gehörte seit 1952 mit allen ehemaligen GHH-Zechen zu der aus der Entflechtung entstandenen Bergbau AG Neue Hoffnung, die 1959 ihrerseits von der Hüttenwerke Oberhausen AG übernommen wurde.

Das Verbundbergwerk Jacobi/Franz Haniel

Am 1. Januar 1965 hob die Hüttenwerke Oberhausen AG, Abteilung Bergbau, das Verbundbergwerk Jacobi/Franz Haniel aus der Taufe. Das 36,3 km² große Grubenfeld lag im Grenzbereich der Städte Oberhausen und Bottrop. Jacobi und Franz Haniel blieben selbständige Betriebsführerabteilungen mit einer Gesamtbelegschaft von 4 547 Mann.

Die beiden Baufelder waren auf der 2. Sohle, der 3. Sohle und der 5. Sohle miteinander verbunden. Außerdem gab es seit 1964 einen Frischwetteranschluß an den Nordschacht des Bergwerks Osterfeld. Um die Bewetterung noch weiter zu verbessern, übernahm Jacobi/Franz Haniel 1967 den Schacht Rheinbaben 5 der stillgelegten Zeche Möller/Rheinbaben als Frischwetterschacht für das Ostfeld Franz Haniel. Die Abwetter dieses Feldes wurden aufgrund eines Vertrages mit der Zeche Prosper über den Schacht Prosper 9 in Kirchhellen-Grafenwald abgeführt.

Die Betriebsabteilung Jacobi baute weiterhin in den Flözen der Gaskohle und der Fettkohle, während Franz Haniel Flammkohle, Gasflammkohle und Gaskohle förderte. Die Abbaubetriebspunkte lagen auf Jacobi zwischen der 3. Sohle und der 5. Sohle. Auf Franz Haniel ging der Abbau zwischen der 1. Sohle und der 3. Sohle um.

Ein Teil der Hanielförderung wurde am Schacht Franz Haniel 2 gezogen, abgesiebt und durch einen Brecher in maximal 120 mm große Stücke zerkleinert. Die dabei anfallende Rohfeinkohle unter 10 mm Körnung kam über Gummibänder als Brennstoff in das Kraftwerk, der Rest mit Talbot Wagen zur Aufbereitung nach Jacobi. Die Kohlen von der 3. Sohle wurden im Rahmen des Förderverbundes in einem Blindschacht zur 5. Sohle Jacobi abgewendelt und dort gefördert.

1965 betrieb Jacobi/Franz Haniel 11 Streben mit einer durchschnittlichen Länge von 200 Metern. Jeder Betrieb lieferte täglich im Mittel 740 Tonnen Kohle und rückte dabei mehr als 2 m vor. Die Streckenauffahrung erfolgte meist konventionell durch Bohr- und Sprengarbeit, für das Laden des Haufwerks standen Wurfschaufellader, Seitenkipplader oder Schrapper zur Verfügung. Wenn Flözmächtigkeit und Geologie stimmten, kam auch die Streckenvortriebsmaschine Continuous Miner zum Einsatz, die nur Kohle schneiden konnte.

Mit Druckluft angetriebene Wurfschaufellader luden das Haufwerk über Kopf in den nachgezogenen Förderwagen oder auf einen Stetigförderer.
Seitenkipplader fuhren auf Raupen und entluden das Haufwerk durch eine seitliche Kippbewegung der Ladeschaufel in den Förderer. Die verfahrbare Arbeitsbühne vor Ort hing an zwei Schienen.
Das kastenartige Fördergefäß rutschte von einem Haspel gezogen über die Sohle (den Boden) und transportierte so das Haufwerk in den Förderer. Für den nächsten Förderzug wurde es über eine Umlenkrolle zurückgezogen.
Strecken, die ein Continuous Miner herstellte, hatten einen rechteckigen Querschnitt, weil die Maschine kein Nebengestein sondern nur Kohle schneiden konnte.

Im Juni 1965 erreichte das Verbundbergwerk erstmals eine Untertageleistung von 3 t/MS, und am Ende des ersten Betriebsjahres wies es mit einer Belegschaft von 4 547 Mann eine Förderung von 2,44 Mill. t aus. Das blieb auch bis zur Stillegung die Maximalförderung.

Im Jahre 1969 wechselte das Bergwerk Jacobi/Franz Haniel noch einmal den Besitzer: es kam zur Ruhrkohle AG (RAG). Diese beschloß im Rahmen eines Gesamtanpas-sungsplanes, die Betriebsabteilung Jacobi zum 31. März 1974 stillzulegen und die Betriebsabteilung Franz Haniel mit den Prosper-Schachtanlagen zu einem neuen Verbund mit dem Namen Prosper-Haniel zusammenzufassen.

Die Skizze zeigt das Grubenfeld und die Lage der Schächte des Bergwerks Prosper-Haniel.
Ein Blick von der Halde auf die Tagesanlagen Franz Haniel 1996.
Der Eingangsbereich mit dem Fördergerüst über dem Schacht Franz Haniel 2 im Januar 2004.
Bergleute nach der Ausfahrt.

Einsatz einer Streckenvollschnittmaschine auf dem Bergwerk Prosper-Haniel

Planungen, die Ende der 1970er Jahre erstellt wurden, sahen für das Bergwerk Prosper-Haniel die 6. Sohle als erste gemeinsame Sohle in 1 000 m Teufe vor. Bis 1983 sollten von den projektierten 17 Streckenkilometern 8 km erstellt werden. In dieser kurzen Zeit ließ sich das gesteckte Ziel mit der konventionellen Technik, also mit Bohr- und Sprengarbeit, nicht erreichen. Deshalb fiel die Entscheidung, eine Streckenvollschnittmaschine (SVM) einzusetzen. Diese nahm im September 1980 den Betrieb auf. Sie schnitt ein kreisrundes Streckenprofil mit 6 m Durchmesser aus dem vollen Gestein und erreichte Vortriebsgeschwindigkeiten von 24 m/d.

Die eigentliche Vollschnittmaschine war rund 25 m lang und 390 t schwer. Mit allen zum Vortrieb benötigten Aggregaten erreichte die mobile Einheit eine Länge von 150 m.
Diese Skizze zeigt den prinzipiellen Aufbau und die Fernüberwachung einer Vollschnittmaschine. Der Bergbau-Laser dient der Richtungssteuerung. Die Optokoppler übernehmen die Potentialtrennung zwischen Meßwertgebern und Prozeßrechner.
Der Bohrkopf benötigt 650 kW Antriebsleistung. Die Schneidwerkzeuge zertrümmern das Gestein unter einem Andruck von 1000 Tonnen.

Bis zum Jahre 1998 bohrte die SVM, durch Planungsänderungen bedingt, nicht 17 km sondern fast 35 km Strecken. Vor dem Zechentor Franz Haniel erinnert ein zweiteiliges Denkmal an diese nicht alltägliche Leistung.
Dieses Denkmal erinnert an die nicht alltägliche Leistung der auf dem Bergwerk Prosper-Haniel eingesetzten Streckenvollschnittmaschine.
In die runde Kupferplatte sind alle Strecken eingraviert, die die SVM aufgefahren hat.
Leider wurde die Gravur im Laufe der Jahre immer unleserlicher. Deshalb sind die Strecken auf diesem Bild noch einmal zusammengefaßt.
Diese vereinfachte Nachbildung des Bohrkopfes der SVM bildet den zweiten Teil des Denkmals.

Der Förderberg Prosper

Das spektakulärste Projekt im gesamten Ruhrgebiet war Mitte der 1980er Jahre der "Förderberg Prosper". Auf dem Bergwerk Prosper-Haniel plante man nämlich zur Vereinfachung des Förderweges und damit zur Kostenoptimierung, das bis zu 250 m mäch-tige Deckgebirge mit einem Schrägschacht zu durchdringen und die gesamte Förderung auf einem Gurtförderer aus 786 m Teufe zu heben und in der Wäsche Prosper II aufzubereiten.

Die Pfeile kennzeichnen den alten Förderweg:
Die Rohkohle wird von der 6.Sohle zur 5.Sohle Prosper III gehoben.
Hier gelangen in Schacht 6 etwa 25% der Förderung nach übertage.
Der Rest wird von der 6.Sohle Prosper II in Schacht 8 gefördert.

Einen solchen Grubenbau hatte es im Ruhrbergbau bis dahin noch nicht gegeben.

Die Markscheiderei erarbeitete viele Varianten zur Trassenführung des Förderberges, die Entscheidung fiel schließlich für eine 3 653 m lange, gradlinige Verbindung, die die Höhendifferenz von 786 m mit 12,6° Ansteigen überwindet. Die beim Teufen der Schächte Prosper 2, Prosper 3 und Prosper 8 gewonnenen Aufschlüsse des Deckgebirges und die Ergebnisse von sechs Untersuchungsbohrungen auf der geplanten Trasse ließen den Schluß zu, daß das Vorhaben geologisch möglich war. Auf dieser Basis entschieden die Verantwortlichen mit Blick auf eine schnelle Fertigstellung, den Berg im Gegenortbetrieb ,also von zwei Ansatzpunkten aus, aufzufahren. Auf der 5. Sohle sollte die bewährte SVM und übertage bis zum Karbon eine Teilschnittmaschine (TSM) zum Einsatz kommen.

Mit einer Teilschnittmaschine vom Typ Roboter fuhren die Bergleute
den Förderbergim Deckgebirge auf. Der bewegliche Fräskopf schneidet
den Streckenquerschnitt profilgenau aus.
Sprengarbeit ist nicht erforderlich.

Im Januar 1985 lief das Projekt übertage an. In einer Startstrecke, die aus einer offenen Baugrube entwickelt wurde, begann eine für den Sondereinsatz angepaßte TSM vom Typ Roboter im Mai mit der Auffahrung des Berges. Die Arbeiten verliefen zügig und ohne nennenswerten Komplikationen. Bereits am 6. Januar 1986 erreichte die Mannschaft das Karbon. Sie hatte mehr als 1000 m Strecke mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von fast 8 m/d aufgefahren. Aus Sicherheitsgründen verlängerte der Roboter die Strecke noch um rund 140 m, dann wurde er zerlegt und zutage transportiert. Als letzte Arbeit erweiterte die Vortriebsmannschaft die Strecke auf 5 m Länge zu einer Demontagekammer für die SVM. Denn diese Maschine, die ebenfalls für den Einsatz im Berg umgebaut worden war, arbeitete seit dem 2. September 1985 parallel zur Roboterauffahrung im Gegenort. Auch an diesem Betriebspunkt lief der Vortrieb reibungslos: Ende Februar 1986, also ein halbes Jahr nach dem Start, hatte die Maschine 2 215 m Berg aufgefahren und das mit durchschnittlich 19,60 m/d. An einem Tag rückte die Ortsbrust sogar 30 m vor!

Am 3. März 1986 konnten alle Beteiligten jubeln, denn der Bohrkopf der VSM traf in fast 280 m Teufe die Roboterstrecke punktgenau. Damit war im Ruhrgebiet der erste Schrägschacht durch das Deckgebirge glücklich vollendet.

Es gab mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Fachmann, der solche Leistungen für möglich gehalten hatte.

Auch das für den Förderberg benötigte Fördersystem wurde bis dahin im deutschen Bergbau noch nicht ausgeführt.

Die Förderaufgabe lautete:

Daraus ergaben sich für den Gurtförderer folgende Auslegungsdaten:

Antrieb 2 Drehstromsynchronmotoren mit je 3 100 kW als Eintrommel-Kopfantrieb

Am 3. November 1986 feierte das Bergwerk Prosper-Haniel mit zahlreichen Gästen die Inbetriebnahme des Förderberges. Ruhrbischof Dr. Franz Hengsbach schaltete die Bandanlage um 15.30 Uhr offiziell ein.

Diese Skizze verdeutlicht das Bandstraßensystem auf den Bergwerk Prosper-Haniel.
Dieses Bild zeigt das Förderschema für die Waschberge.
Die Tagesanlagen Prosper II. In der grünen Halle endet das Bergband, das Gebäude im Hintergrund ist die Aufbereitung.
Der Gurtförderer im Förderberg transportiert mit 5,5 m/s die gesamte Rohförderung zutage.
Mit diesem schlagwettergeschützten Geländewagen kann die Wartungsmannschaft den Berg schnell und bequem befahren.

Seitdem kommt die gesamte Förderung des Bergwerks Prosper-Haniel über diese Bandstraße zutage; weitere Gurtförderer transportieren sie zur Aufbereitung Prosper II, die in unmittelbarer Nähe liegt.

Die Waschberge gelangen auf dem Untergurt des Bergbandes wieder in die Grube und auf der 5. Sohle über eine 2,7 km lange Bandstraße zum Schacht Franz Haniel 2. Hier werden sie gefördert und mit großen Muldenkippern auf die Halde gefahren.

Diese Muldenkipper transportieren die Waschberge vom Schacht Franz Haniel 2
entweder auf die Halde Haniel oder,wie hier auf dem Bild,
zur neuen Halde Schöttelheide am ehemaligen Gutshof Fernewald.

Insgesamt ersetzte die neue Anlage neben dem Tagesbetrieb Prosper III vier Tagesschächte, mehr als 20 km Hauptstrecken und den Bergetransport über die Straße. Sie brachte für das Bergwerk Prosper-Haniel eine deutliche Senkung der Betriebskosten, weil sich Förderung und Aufbereitung auf den Standort Prosper II konzentrierten. Besonders die Personal- und Energiekosten verringerten sich erheblich.

Der Förderberg lief bisher beinahe störungsfrei. Allerdings wurden die Antriebstrommel und der Fördergurt planmäßig ausgewechselt.

Über den Gurtwechsel berichtete Hans-Peter Hähn im Mitarbeitermagazin Steinkohle Heft 7/2000:

Bergwerk Prosper-Haniel: Erfolgreicher Wechsel des Förderbergbandes

Der stärkste Gurt der Welt war schwach geworden

Kohle rauf und Berge runter: Im Laufe von knapp 14 Jahren hat der Gurt im Förderberg des Bergwerks Prosper-Haniel fast 100 Millionen Tonnen Rohkohle aus der Grube und 40 Millionen Tonnen Berge in die Grube gefördert. Jetzt war der stärkste Gurt der Welt schwach geworden und musste ausgewechselt werden.

Der Gurt, seinerzeit aus 21 Teilen verbunden, war in die Jahre gekommen. Von den ursprünglich 21 Verbindungen hatten 18 bereits nach und nach erneuert werden müssen. Der Stahlseil-Fördergurt zeigte förderbedingte Oberflächenschäden wie Deckplattenabrieb und Einrisse. Durch den hohen Feuchtigkeitsgehalt der in die Grube zurück transportierten Berge drang Feuchtigkeit durch die Einrisse zu den Stahlseilen vor, die korrodierten. Die Zugkraft war nicht mehr gewährleistet und immer häufiger kam es zu Gurtschäden, die einen Wechsel unumgänglich machten.

Der neue Gurt ist ein Zwillingsbruder seines Vorgängers, ebenfalls hergestellt bei der Firma Phoenix in Hamburg. Er ist 7520 Meter lang, 1400 Millimeter breit, 34,5 Milli-meter dick und 800 Tonnen schwer

Nach der Kontrolle durch das Zentrale Prüfwesen der DSK lieferte die Firma den Gurt in 19 Wickeln mit je 403 Meter Länge, 4,30 Meter Durchmesser und 43 Tonnen Ge-wicht an. Die Teile wurden bereits über Tage durch Vulkanisieren verbunden und der komplette Gurt an einem Stück zwischengelagert. Aus diesem Gurtlager wurde der neue Gurt mit Hilfe des alten Gurtes eingezogen

Fünf Tage waren für das in der Welt einmalige Projekt vom ersten Schnitt bis zum Probelauf angesetzt. Mit 250 Mannschichten wurde es in diesem Zeitraum auch erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurden für den eigentlichen Wechselvorgang lediglich 48 Stunden bis zur Herstellung der Endlosverbindung benötigt

Der Papstbesuch auf der Schachtanlage Franz Haniel

Im Januar 1987 wurde bekannt, daß Papst Johannes Paul II beabsichtigt, auf seiner Deutschlandreise im Mai Bottrop zu besuchen und auf der Schachtanlage Franz Haniel eine Rede zu halten. Dieses historische Ereignis warf natürlich auf dem Bergwerk Prosper-Haniel seine Schatten voraus. Eine Veranstaltung mit vielen prominenten Gästen und den erwarteten 25 000 Besuchern mußte sorgfältig geplant und vorbereitet werden.

In der Ausbildungswerkstatt des Bergwerks stellten Lehrlinge aus Rundstahl eine 250 Kilogramm schwere Plastik der Heiligen Barbara her und brachten sie neben den Symbolen Schlägel und Eisen an der Außenwand des Wagenumlaufs an. Außerdem bauten sie aus Spurlatten ein 15 m hohes Kreuz, das Ruhrbischof Dr. Franz Hengsbach am Karfreitag 1987 auf dem Zechenplatz einweihte. Von einer erhöhten, überdachten Tribüne aus sollte der Heilige Vater zu seinen Zuhörern sprechen. Die Verantwortlichen stellten am Morgen des 2. Mai erleichtert fest, daß alle Vorbereitungsarbeiten pünktlich beendet waren.

Der hohe Gast und die Besucher konnten kommen.

Diese Plastik der Heiligen Barbara fertigten Lehrlinge des Bergwerks Prosper-Haniel für den Papstbesuch an.
Papst Johannes Paul II fährt mit dem Ruhrbischof Dr. Franz Hengsbach im strömenden Regen vom Hubschrauber-Landeplatz zur Tribüne.
Für Briefmarkenfreunde stand auf dem Gelände während des Papstbesuches ein Sonderpostamt zur Verfügung.

Die Ruhr-Nachrichten berichteten in ihrer Ausgabe vom 4. Mai 1987 ausführlich über den Papstbesuch.

Fast 10 000 erlebten den Heiligen Vater

Prosper-Haniel sah eine Begegnung von imponierender Ernsthaftigkeit

Papst: Danke für diesen Besuch !

Samstag, 2. Mai 1987, 11.25 Uhr.

Aus dem wolkenumhangenen Himmel über Prosper-Haniel lösen sich sechs schwere Hubschrauber, bilden vor der Halde in ihrer Formation ein erschlagendes Bild. Prä-zise drehen sie bei, fünf von ihnen landen zentimetergenau auf ihren Kreuzen, rund 100 Meter vom Fördergerüst, die Rotoren laufen aus. Die etwa 10 000 Menschen auf dem Zechenplatz schweigen, urplötzlich. Es ist still wie in einer Kirche. Der Hauch des Einmaligen nimmt sie alle gefangen. Der sechste der schweren Sikorski dreht unterdessen noch eine Platzrunde, setzt sich dann mitten zwischen die anderen.

Es ist 11.29 Uhr: Papst Johannes Paul II. betritt Bottroper Boden.

Der erste Bürger unserer Stadt hat die Ehre, ihn zu begrüßen. Ernst Wilczok verneigt sich ebenso vor dem Heiligen Vater wie Dechant Reinhard Busbach, Hanns Ketteler, Bernhard Schürmann, Winfried Fockenberg und Ehrengäste aus dem Revier.

Ein paar Worte, dann besteigt der Papst gemeinsam mit Bischof Franz Hengsbach den umgebauten Geländewagen mit dem Sichtglaskasten, winkt sanft den an der kurzen Wegstrecke stehenden Menschen zu, segnet sie. Viele klatschen Beifall, einige winken mit großen weißen Tüchern, ein paar lassen den Papst hochleben. Zum Jubeln stehen die meisten viel zu weit hinten, getrennt durch die 2 000 Sitzplätze für Ehrengäste von Johannes Paul II.

Nach der Eintragung ins Goldene Buch gilt der erste Gruß des katholischen Oberhirten der Knappen-Kapelle. Jeden der Musiker beehrt der Papst mit Handschlag. Auf der Hälfte des 5,10 Meter hohen Podiums tritt er dann den Berufsgruppen entgegen.

Papst Johannes Paul II trägt sich in das Goldene Buch der Stadt Bottrop ein. Ruhrbischof Dr. Franz Hengsbach und der Leiter des Bergwerks Prosper-Haniel, Bergwerksdirektor Hanns Ketteler, sind Zeugen dieses historischen Ereignisses.
Der Papst begrüßte jedes Mitglied des Knappenchores.
Der hohe Gast konzentrierte sich auf die Begrüßungsreden.
Am Ende der Veranstaltung gelang es vielen Besuchern, die Absperrungen zu durchbrechen und dem Heiligen Vater ganz nahe zu sein.

Sorgen und Nöte

Der Bottroper Walter Wittling spricht für die Bergleute, Dr. Herbert Gienow für die Stahlindustrie, Rudolf Specks legt Anliegen der chemischen Betriebe offen, Christoph Pieper repräsentiert Unternehmer und mittelständische Firmen und Stadtdirektor Norbert Wallmann überbringt dem Papst die Botschaft der Freiberufler und des öffentlichen Dienstes.

Sie alle umreißen in ihren Statements die Sorgen und Nöte, in denen sich unsere Region befindet, sie stellen Leistungswillen und Leistungskraft der Menschen heraus und bitten den Heiligen Vater um Unterstützung. Bitten ihn, der Welt immer wieder klar zu machen, daß der Mensch und nichts als der Mensch das Maß aller Forschung, Entwicklung, Technik und Wirtschaft zu sein habe.

Der Papst nimmt diesen Gedanken auf. Er setzt ihn klar und unmißverständlich um in seiner Rede, die, von heftigen Regenschauern begleitet, rund 40 Minuten dauert. Am Schluß steht der Segen, den tausende, die trotz der mißlichen Wetterverhältnisse ausgeharrt haben, stehend empfangen. Mit einem Dankeschön für die Einladung nach Bottrop verläßt der Papst die Hoch-Tribüne.

Wer eine Feier erwartet hat, die zu Herzen geht, die den Papst im Mittelpunkt von Jubel und Hochrufen erlebt, wird enttäuscht. Der Zechenplatz ist kein sakraler Raum. Selbst die Stimmen der 700 Chormitglieder verlieren sich in der Weite zwischen Fördergerüst und Kaue. Der Besuch des Heiligen Vaters in Bottrop ist nicht die Zelebrierung eines feierlichen Hochamtes, auf Prosper-Haniel findet die Begegnung mit der Arbeitswelt statt, mit ihren Menschen, aber auch mit ihren Maschinen. Die Wucht des Fördergerüstes, dessen Räder sich während der ganzen Veranstaltung unablässig drehen, die Nebel des aus den Antriebsmaschinen entweichenden Dampfes, die weiter hinten ruhende Halde dokumentieren: Auch während der Heilige Vater hier weilt, wird da unten im Berg weiter gearbeitet. Moderator Kronzucker schon im Vorprogramm: "Diese imponierende Szenerie ist ein prächtiger Ausdruck der Kulturlandschaft an der Ruhr."

Als der Papst wieder zurückfährt zu seinem Hubschrauber, da durchbrechen die Menschen die Barrieren. Von den hinteren Stehplätzen kämpfen sie sich vor zu den Flugmaschinen, um einen letzten Blick auf Johannes Paul II. zu ergattern. Moderator Kronzucker fallen nur ein paar platte Banalitäten ein. Niemand hört mehr darauf.

Die Botschaft

"Ihr sollt meine Zeugen sein!" steht als Abschiedsbotschaft des Papstes auf der riesigen Multivisionswand. Damit meint er nicht nur die, die am Samstag dabei waren und eine in ihrer engagierten Ernsthaftigkeit imponierende Begegnung miterlebten.

(widu)

Im überörtlichen Teil der Ruhr-Nachrichten berichtete Michael Fritsch am 4. Mai 1987:

Beeindruckende Ansprache vor Bottroper Zeche

Der Papst hat sich mit der Region identifiziert

Die Kulisse mit dem Förderturm im Hintergrund, dem Holzkreuz aus Spurlatten und dem selbstgefertigten Barbara-Relief war beeindruckend, ein passenderer Ort für den Empfang kaum vorstellbar, doch von erwartungsfroher Atmosphäre – geschweige denn Begeisterung – war wenig zu spüren: Das „Papstfieber" in Bottrop hielt sich spürbar in Grenzen.

Ob es ausschließlich das Wetter war, das keine rechte Stimmung aufkommen ließ wird letztlich nicht zu klären sein, ist aber eher unwahrscheinlich. Schon bevor der fürchter-liche Regen einsetzte, der dann einen Großteil der Besucher vertrieb, hatte das Vorpro-gramm die Gläubigen nicht so recht erwärmen können.

Zwar gab sich Domkapellmeister Karl Linke redlich Mühe, der wartenden Menge das Händelsche "Halleluja" beizubringen, doch stellte sich dieser Versuch als ein weitgehend vergebliches Unterfangen heraus. Einen Heiterkeitserfolg landete der Dirigent, als es bei der Abstimmung mit der Kapelle nicht klappte: "Wir kommen in Teufels Küche", beschwor er, an die Musiker gewandt, kurz vor Eintreffen des Papstes dessen härtesten Gegenspieler.

ZDF-Mann Dieter Kronzucker, der das Vorprogramm moderierte, hatte auch schon einmal eine besseres Händchen als am Samstag, als er die Bottroper vor "ihrem" Pütt Prosper-Haniel mit einem beherzt deplazierten "Grüß Gott" willkommen hieß und später auf dem Landeplatz den Papst auszumachen versuchte, der sich zu dieser Zeit mit seinem Helikopter noch in der Luft befand.

Ganz im Gegensatz zum ungemütlichen Äußeren stand die Ansprache des Heiligen Vaters, als "Botschaft an die arbeitende Bevölkerung des Ruhrgebiets" angekündigt. "Er hat sich in einzigartiger Weise mit unserer Region identifiziert", resümierte der Essener Domkapitular Franz Grave in einer ersten Bilanz diese Rede, und diesen Eindruck hatte nicht nur er.

Johannes Paul II. zeigte sich wohlinformiert über die aktuelle Situation bei Kohle und Stahl im Revier. Er blieb darüberhinaus bei der Auslegung der katholischen Soziallehre, die er vor einigen Jahren mit seiner Enzyklika „Laborem exercens" fortgeschrieben hatte, nicht im Unverbindlichen, sondern ging "ins Eingemachte".

Dabei appellierte er an Arbeitgeber und -nehmer gleichermaßen, in solidarischer Weise Lösungsmöglichkeiten für den Abbau der Arbeitslosigkeit zu entwickeln. Indirekt forderte das katholische Kirchenoberhaupt zu kürzerer Arbeitszeit auf, indem er es als einen Skandal bezeichnete, wenn die zu Verfügung stehende Arbeit nicht gerecht verteilt wird. Indirekt verurteilte er die Unternehmen, die ihren Gewinn nicht dazu verwenden, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Direkt verurteilte er Politiker und Entscheidungsträger, die die Arbeitslosigkeit einfach hinnehmen und dabei ihr Vertrauen allein auf den Marktmechanismus setzen.

Auch in die aktuelle Flexibilisierungsdiskussion griff der Heilige Vater ein, indem er unmißverständlich klarstellte, daß der Sonntag als "Urfeiertag" auch in Zukunft geschützt werden müsse. Mit einem klaren Wink an die Abtreibungsbeschlüsse verschiedener Gewerkschaften forderte er diese auf, Christen einen sicheren Raum zu geben und alles zu unterlassen, was sie ausgrenzt.

Am weitesten wagte sich der Papst zweifelsohne in der Frage der Mitbestimmung vor. Da das Prinzip des Vorranges der Arbeit vor dem Kapital, wie es bereits in „Laborem exercens" beschrieben ist, anzuerkennen ist, so der Papst, müsse die Frage des Miteigentums des Arbeiters an Produktionsmitteln noch weiterentwickelt werden.

In der Bottroper Lokalausgabe konnte man weiter lesen:

Zufriedene Polizei

Papstbesuch verlief ohne Zwischenfall

"Absolute Ruhe" herrschte beim Papstbesuch aus Sicht der Polizei. Bereits die morgendliche Verkehrslage wurde von der Einsatzleitung als "unter normal" bezeichnet. 1500 Sicherheitskräfte von Polizei und Bundesgrenzschutz waren auf und um Prosper-Haniel im Einsatz. Drei Hundertschaften hatte der Bundesgrenzschutz Lübeck entsandt, weitere Hundertschaften kamen aus Bremen, Köln und Bork, ein technischer Zug war aus Wuppertal zum Veranstaltungsgelände befohlen worden. Die Diensthundstaffel vom Regierungspräsidium Münster war ebenso mit von der Partie wie Reiterstaffeln aus Dortmund, Bochum und Recklinghausen.

Die Beamten kontrollierten an den Eingangssperren nicht nur peinlich genau die Ein-laßkarten, zahlreiche Besucher mußten ihre Taschen öffnen oder das Innere ihrer Mäntel vorzeigen. Geräumige Fotokoffer weckten besonders das Interesse der Beamten. Auf den Dächern aller Werksgebäude waren Beamte postiert, die das Treiben auf dem Gelände wachsam aus luftiger Höhe beobachteten. Als einige Schaulustige plötzlich auf der Halde hinter dem Förderturm auftauchten, wurden auch dorthin schnell ein Mannschaftswagen sowie eine Reiterstaffel geschickt.

Bei der Einsatzleitung herrschte schon während der Rede des Papstes große Gelassenheit. Schließlich gab es keinen einzigen Zwischenfall zu vermelden. In aller Frühe hatte man einen "Sprengstoffhund" über das Gelände geschickt, der allerdings nichts Verdächtiges hatte erschnüffeln können. Der befürchtete Besuch Oberhausener Skin-Heads blieb ebenfalls aus.

Für die Polizeibeamten, die bereits seit den frühen Morgenstunden im Einsatz waren, endete die Veranstaltung mit einem großen Erbsensuppen-Essen.

Unter der Überschrift "Am Rande" hielt die Zeitung für die Nachwelt fest:

Obwohl das Veranstaltungsgelände noch reichlich Platz für weitere Besucher geboten hätte, ließen die Beamten an den Eingangssperren nicht mit sich reden. Wer noch Karten übrig hatte, fand dafür an den Eingängen schnell Abnehmer. Viele Gäste mußten dennoch unverrichteter Dinge den Veranstaltungsort verlassen, denn ohne Karte drang niemand bis an den Ort des Geschehens vor. Noch während der Heilige Vater seine Ansprache hielt, wurden die ersten Sperren schon wieder demontiert. Auf Kartenkontrollen wurde zu diesem Zeitpunkt schon weitgehend verzichtet.

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Beinahe hätte die Veranstaltung ohne die musikalische Begleitung der Chöre stattfinden müssen, denn Beamte des Bundesgrenzschutzes hielten anfänglich zahlreiche Sängerinnen und Sänger an den Sperren fest: Sie hatten weder Eintrittskarten noch einen gesonderten Ausweis.

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Papst Johannes Paul II. nahm bei seinem Besuch nicht nur Geschenke entgegen, er überreichte auch welche. Unter anderem erhielten Ernst Wilczok, Winfried Fockenberg, Dechant Busbach und Bernd Schürmann die vergoldete "päpstliche" Medaille, die anläßlich des zweiten Deutschlandbesuches geprägt wurde.

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Während in "Block 1" in den ersten Reihen im bestuhlten Bereich die hohen geistlichen Würdenträger ihre Plätze einnahmen, fanden auf den ersten Stühlen in "Block 2" die geladenen Gäste aus Politik ihren Platz: Blüm, Süßmuth und Ost kamen zuerst, es folgten Krumsiek, Brunn und Biedenkopf. Als letzter der Schar erschien Ministerpräsident Johannes Rau. In den vorderen Blöcken saßen außerdem Honoratioren aus Handel, Wirtschaft, mehrere Oberbürgermeister der Nachbarstädte und zahlreiche Ratsherren aus Bottrop. Diese Gäste wurden bei einsetzendem starken Regen auch recht bald mit rot-weißen, großen Schirmen versorgt. Auf den Eintrittskarten der "normalen" Besucher stand: Schirme bitte zu Hause lassen.

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Nach der Veranstaltung gingen die Aufräumarbeiten sehr rasch über die Bühne. Schon gegen 14 Uhr war das Gelände fast wieder sauber, die linke Hälfte der Stühle schon zusammengeklappt und gestapelt. Neben den Technikern von Funk und Fernsehen waren die Bediensteten der Bottroper Post, die in einem Sonderpostamt ihre Arbeit versahen, wohl die letzten, die das Schachtgelände verließen.

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Zum Abschluß seines Besuches auf der Schachtanlage Prosper-Haniel spendete Johannes Paul II den Gläubigen seinen päpstlichen Segen.

Gegen 13.00 Uhr startete die Hubschrauberstaffel zum Rückflug nach Essen.

Ein Jahr später, im Juni 1988, ernannte Papst Johannes Paul II. Bergwerksdirektor Hanns Ketteler und den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der RAG-Gesamtbetriebsräte Klaus Hüls zu Rittern des Gregorius-Ordens. Der Papst honorierte mit dieser Auszeichnung ihren besonderen Einsatz bei seinem Besuch auf der Schachtanlage Franz Haniel.


Zeittafel der Zeche Franz Haniel

1920 beschließt die GHH, die Doppelschachtanlage Franz Haniel zu bauen. Die Schächte sollen bis 180 m Teufe mit dem Gefrierverfahren niedergebracht und mit Tübbingen ausgebaut werden.Die provisorischen Tagesanlagen werden errichtet.
21.06.1921 beginnt der Gefrierprozeß für den Schacht Franz Haniel 1.
31.10.1921 nehmen Schachthauer der Firma Haniel & Lueg die Teufarbeiten am Schacht 1 auf.
Mai 1922 erreicht der Schacht 1 eine Teufe von 180 m. Hier endet der Tübbingausbau. Die Kälteerzeuger werden zum Schacht 2 umgesetzt. Das Gebirge taut langsam auf.
16.12.1922 gehen die Kältemaschinen am Schacht Franz Haniel 2 wieder in Betrieb.
07.03.1923 werden die Arbeiten in Schacht 1 bei der geplanten Endteufe von 458 m eingestellt.
01.10.1923 läuft der Teufbetrieb in Schacht 2 an.
1924 im Schacht Franz Haniel 1 wird in 428 m Teufe die 2. Sohle ausgesetzt und ein Durchschlag mit einer von der Zeche Jacobi aus aufgefahrenen Strecke hergestellt.
15.05.1924 bauen die Schachthauer im Schacht 2 bei 182 m den letzten Tübbing ein.Die Kältemaschinen werden abgeschaltet, der Auftauprozeß beginnt.
21.07.1925 erreicht der Schacht Franz Haniel 2 die geplante Endteufe von 556 m.
August 1925 stellen die Schachthauer im Niveau der 2. Sohle eine Verbindung zwischen den Schächten Franz Haniel 1 und Franz Haniel 2 her.
25.09.1925 dringt beim Wiedergewinnen der Gefrierrohre durch einen geborstenen Tübbingring Wasser und Schlamm in den Schacht Franz Haniel 2 ein. Der Schacht geht völlig zu Bruch.
1928 ist der Einsturztrichter verfüllt. Ein neues Abteufgerüst wird errichtet. Wegen der Wirtschaftskrise stellt die GHH alle Arbeiten ein.
1936 nimmt die GHH das Projekt Zeche Franz Haniel erneut in Angriff.
1939 beginnen die Teufarbeiten für den Schacht Franz Haniel 2 zum zweiten Male.
1944 kommen die Arbeiten nochmals zum Erliegen.
1951 laufen die Aktivitäten auf der Zeche wieder an.
02.05.1952 geht die Zeche Franz Haniel in Betrieb.
20.01.1955 nimmt das Kraftwerk Franz Haniel den Betrieb auf.
1959 erreicht die Schachtanlage mit 3 212 Mitarbeitern ihre Maximalförderung von 1,42 Mill. t/a.Auf der 3. Sohle wird eine Verbindung zur Zeche Jacobi fertiggestellt.
01.01.1965 entsteht das Verbundbergwerk Jacobi/Franz Haniel.
31.03.1974 muß die Betriebsabteilung Jacobi die Tore schließen. Franz Haniel bildet mit den Prosper-Zechen das Bergwerk Prosper-Haniel.
03.11.1986 geht der Förderberg Prosper in Betrieb.
02.05.1987 besucht Papst Johannes Paul II. die Schachtanlage Franz Haniel.
29.11.1988 wird das Kraftwerk Franz Haniel stillgelegt.
02.12.1990 fällt der 160 m hohe Kamin des Kraftwerks einer Sprengung zum Opfer.

  
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