Eberhard Pfandhöfer zeigt sich am Kauf interessiert. Die Verhandlungen ziehen sich jedoch hin und scheitern schließlich im Juli 1793, weil Pfandhöfer die geforderten 1000 Reichsthaler in bar für die Anzahlung angeblich nicht aufbringen kann.
Zwischenzeitlich nimmt an der Emscher auf dem Gebiet des Reichsstifts Essen im Jahre 1791 die Hütte Neu Essen den Betrieb auf. Die Besitzerin, Fürstäbtissin Maria Cunegunda (1740 - 1826), möchte St. Antony ebenfalls kaufen, weil ihr Hüttenleiter Gottlob Jacobi (1770 - 1823) hofft, die in letzter Zeit aufgetretenen Rohstoffengpässe durch Zusammenführung der Betriebe besser in den Griff bekommen zu können.
Jacobi übernimmt die Verhandlungen mit dem Beauftragten der Erben von Wenges. Sie führen am 28. Juli 1793 zu einem notariell beglaubigten Verkaufsvertrag, da die am 26ten dieses mit dem Herrn Gerhard Pfandhöfer gepflogene Verkaufs Unterhandlung wegen Mangel der auf der stelle zu erlegenden Gelder zu keinem Abschluß gebracht werden konnte.
Die Hütte wechselt für insgesamt 6000 Reichsthaler mit allen Liegenschaften, Auflagen und Abgaben ihren Besitzer. Für den Kaufpreis wird folgende Ratenzahlung vereinbart:
- 1000 Rthlr. sofort
- 1000 Rthlr. bei Aushändigung des vom Kurfürsten genehmigten Kaufvertrages
- 2000 Rthlr. am 1. Januar 1794
- 2000 Rthlr. am 1. April 1794
Zur Zeit des Verkaufs ist die Hütte offensichtlich nicht in Betrieb, denn im Vertragstext heißt es:
Sechstens Soll mit der Arbeit auf der Hütte sobald als möglich angefangen werden.
Pfandhöfer fühlt sich übervorteilt und geht gerichtlich gegen den Kontrakt vor. Er kann zwar kein Dokument vorweisen, hat aber Zeugen, die die Existenz eines Vertrages mit ihm über den Hüttenkauf auf ihren Eid nehmen. Obgleich das Gericht den Vertrag mit der Fürstäbtissin für ungültig erklärt, schließen die Parteien Ende 1795 einen Vergleich. Der Kläger begnügt sich damit, St. Antony für sechs Jahre zu pachten. Aber schon im Januar 1798 verläßt Pfandhöfer die Hütte endgültig, weil er den Pachtzins nicht bezahlen kann.
Maria Cunegunda faßt ihre Hütten St. Antony und Neu Essen zusammen. Gottlob Jacobi, der nicht nur beide Betriebe leitet, sondern auch mit einem Viertel an ihnen beteiligt wird, verlegt seinen Wohnsitz nach Klosterhardt. Das Haus ist als einziges Gebäude der Antony-Hütte bis heute erhalten. Er heiratet am 19. Juni 1800 Johanna Sophie Haniel, eine Schwester der Ruhrorter Kaufleute und Spediteure Franz (1779 - 1868) und Gerhard (1774 - 1834) Haniel. Über diese Firma wickelt die Antony-Hütte schon seit Jahren den Vertrieb ihrer Erzeugnisse ab. Dadurch bekommen die Haniel-Brüder auch Einblick in das lukrative Hüttengeschäft. Und als die Äbtissin ihre Anteile an den beiden Werken für 23 800 Rthlr. bzw. 8 000 Rthlr. zum Kauf anbietet, greifen sie zu.
Durch den Vertrag vom 10. Mai 1805 werden die beiden Kaufleute zusammen mit ihrem Schwager Jacobi, der die technische Leitung behält, Besitzer der Hütten St. Antony und Neu Essen. Der Kaufpreis für St. Antony ist so hoch, weil auf der Hütte größere Mengen Erz, Holzkohle und Fertigprodukte lagern und alles in Pausch und Bogen veräußert wird. Zur Hütte Neu Essen gehört auch eine Mahl- und Oelmühle zu Oberhausen, die die Besitzer später (1828) in ein Blechwalzwerk umbauen.
Unter dem Management von zwei versierten Kaufleuten und einem erfahrenen Techniker läuft das Unternehmen gut. Die Witwe Helene Amalie Krupp, die seit 1800 die Hütte Gute Hoffnung besitzt und hier mit vergleichsweise mäßigem Erfolg produziert, fühlt sich dieser Konkurrenz nicht mehr gewachsen. Deshalb verkauft sie ihre "Eisenschmelze" im September 1808 für 37 800 Rthlr. an den späteren Essener Bürgermeister Heinrich Huyssen (1779 - 1870). Huyssen gehört ebenfalls zur Verwandtschaft der Gebrüder Haniel , denn diese sind mit seinen Schwestern Henriette und Friederike verheiratet. Frau Krupp stimmt einer Ratenzahlung des vereinbarten Kaufpreises nur zu, wenn Gerhard Haniel, Franz Haniel und Gottlob Jacobi als kapitalkräftige Unternehmer für die Restsumme bürgen.
Die drei Betriebe befinden sich also im Besitz einer Familie und einem Zusammenschluß steht nichts mehr im Wege. Noch im selben Jahr (1808) handeln die vier Teilhaber einen Gesellschaftsvertrag über die Gründung der Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi Haniel & Huyssen (JH&H) aus, der 1810 vor einem Notar ergänzt und beurkundet wird. Jeder Gewerke erhält ein Viertel der Kuxe.
Gottlob Jacobi liegt die Direction über die drey Hütten ausschließlich ob, und hat derselbe für die Verfertigung der Waaren allein Sorge zu tragen, wofür derselbe ein jährliches Gehalt von 600 Rthlr. nebst freiem Brand, Licht, Wohnung, wie auch Doctor, Apotheke, und Briefporto frey, und hinlänglich Land zum Gemüß Garten erhält
Bei der Gründung von JH&H ist auf St. Antony und auf Gute Hoffnung nur je ein Hochofen in Betrieb, trotzdem kann das eigene Erz den Bedarf nicht decken. Das Unternehmen muß aus dem Lahn-Dill-Gebiet Erze zukaufen und außerdem noch Roheisen importieren, weil auch die Holzkohle immer knapper und teuerer wird. Der Rohstoffmangel führt schließlich 1820 zur Stillegung der Antony-Hütte. Auf dem Gelände nimmt 1821 eine Papierfabrik den Betrieb auf. Sie kommt auch nach 6 Jahren nicht aus den roten Zahlen heraus.
Johannes Terlunen, von 1826 bis 1869 Pfarrer an St. Pankratius, bemerkt dazu in seiner Chronick über Osterfeld:
1820 worde die S. Antoni Eisenhütte abgebrochen, und in einer Papier Mühle umgewandelt, worauf H. Teshenmacher gleich als inspector und Papier Fabrikannt angesetzt worde, diese Mühle kostete 13 000 Thr und lieferte sehr schönes Papier, aber da sie sich nicht nach Wunsch rentierte, so bestand sie nur 6 Jahre, man entließ den Inspector mit seinen Leuten, und baute wieder einen Hochofen erweiterte die Gebäulichkeiten, legte noch eine Dampfmaschine an und war wieder eine Eisenschmelze
Das Unternehmen bläst also 1827 den Hochofen nochmals an und die Hütte stellt aus dem heimischen Raseneisenerz wieder die bekannten Gießerei - Erzeugnisse her. In den 1830er Jahren erlebt St. Antony die letzte Blütezeit, weil Preußen größere Mengen Munition ordert. Nach diesem Auftrag geht die Produktion immer mehr zurück, und 1843 kommt für den Hüttenbetrieb das endgültige Aus. Die Gießerei und eine neue Röhrendreherei produzieren mit angeliefertem Roheisen bis 1877 weiter. Dann läßt sich der Betrieb wegen der ungünstigen Verkehrslage und der veralteten Fertigungsmethoden nicht mehr wirtschaftlich führen.
Die Wiege der Ruhrindustrie schließt am 30. April 1877 für immer ihre Tore.
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um 1940
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Schmiede um 1940
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Lehmformerei um 1940
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